Sicherheit im Handel: Was die Kriminalstatistik 2025 für Händlerinnen und Händler in Hessen bedeutet
Die wohl wichtigste Zahl für den stationären Handel: 27.263 Ladendiebstähle wurden 2025 in Hessen registriert – ein Anstieg von 2,2 % gegenüber dem Vorjahr.
Noch alarmierender ist die Entwicklung der Ladendiebstähle unter erschwerten Umständen – also wenn eine Schutzvorrichtung vorhanden war. Diese steigen um 15,7 % auf 1.281 Fälle. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass organisierte Tätergruppen verstärkt den Handel ins Visier nehmen.
Die Polizei nennt konkrete Gründe für den Anstieg: Steigende Lebenshaltungskosten und Armut senken die Hemmschwelle, während Sicherheitslücken wie fehlende Sicherheitsüberwachung, Personalmangel an Kassen und Selbstbedienungskassen gezielt ausgenutzt werden. Der registrierte Vermögensschaden durch Ladendiebstahl beläuft sich laut PKS auf über 4,1 Millionen Euro – das Dunkelfeld liegt nach Einschätzung des Handelsverbandes deutlich höher. Schätzungsweise finden mehr als 90 % der Ladendiebstähle gar nicht erst Aufnahme in die Statistik.
Betrug und Cyberkriminalität: Das digitale Risiko wächst rasant
Für Händlerinnen und Händler, die online oder mit digitalen Zahlungsmitteln arbeiten, sind die Zahlen im Bereich Betrug und Cyberkriminalität besonders besorgniserregend:
- Computerbetrug: +21,9% auf über 12.000 Fälle
- Betrug mit rechtswidrig erlangten unbaren Zahlungsmitteln: +16,1% auf 9.586 Fälle
- Warenkreditbetrug: +18,8%
- Cyberkriminalität insgesamt: 13.207 Fälle, +23,3%
- Gesamtschaden durch Internetkriminalität in Hessen: rund 54 Millionen Euro
Gerade für Händlerinnen und Händler mit Onlineshop, Rechnungskauf oder Omnichannel-Modell stellen Zahlungsdatenmissbrauch, gefälschte Bestellidentitäten und digitaler Warenbetrug ein wachsendes operatives Risiko dar.
Schutz von Mitarbeitenden: Körperliche Eskalationen nehmen zu
Ein oft unterschätztes Thema der Sicherheit im Handel ist leider der Schutz des eigenen Personals. Die PKS 2025 verzeichnet 40.237 Körperverletzungsdelikte in Hessen, ein Anstieg von 5,3 %. Die vorsätzlich leichte Körperverletzung stieg um 5,8 % an.
Diese Zahlen sind zwar kein handelsspezifischer Wert, spiegeln aber eine gesellschaftliche Tendenz wider, die auch im Ladengeschäft ankommt. Konflikte eskalieren viel öfter körperlich und deshalb sind klare Abläufe für Ihr Team, Deeskalationstraining und ein konsequentes Sicherheitskonzept wichtiger denn je.
Weitere relevante Zahlen für den Handel auf einen Blick:
| Delikt | Fälle 2025 | Ggü. Vorjahr |
|---|---|---|
| Diebstahl in/aus Verkehrsräumen | 29.758 | +0,4 % |
| Ladendiebstahl gesamt | 27.263 | +2,2 % |
| Ladendiebstahl (ersch. Umstände) | 1.281 | +15,7 % |
| Schw. Diebstahl Gewerberäume | 3.539 | -5,7 % |
| Diebstahl in/aus Kfz | 10.990 | +2,0 % |
| Diebstahl unb. Zahlungsmittel | 9.876 | +1,2 % |
| Betrug gesamt | 52.486 | +3,5 % |
| Waren-/Warenkreditbetrug | 16.050 | -3,5 % |
| Computerbetrug | ca. 12.000 | +21, 9 % |
| Körperverletzungsdelikte | 40.237 | +5,3 % |
Was bedeutet das konkret für Ihren Betrieb?
Die PKS 2025 macht deutlich: Sicherheit im Handel ist kein Thema von gestern – sie wird komplexer, vielseitiger und digitaler. Wer heute nur auf Kameraüberwachung setzt, schützt sich nur vor einem kleinen Teil der Risiken.
Unsere Empfehlungen für hessische Händlerinnen und Händler:
- Verkaufsfläche: Überprüfen Sie regelmäßig blinde Flecken, Kassennahbereiche und SB-Zonen auf Sicherheitslücken
- Zahlungsverkehr: Schulen Sie Ihr Team auf Betrugsmuster bei Kartenzahlung und erkennen Sie auffällige Bestellmuster im Onlinehandel frühzeitig
- Personal: Etablieren Sie klare Meldewege und Deeskalationsregeln für Konfliktsituationen
- IT-Sicherheit: Prüfen Sie Ihre digitalen Prozesse auf Angriffspunkte, von der Kasse bis zum Onlineshop
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